Weihnachtsziegenglocke aus dem Sertão
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Liebe Freunde und Mitfahrende des Bootes des Conselheiro,
Das Jahr ist schon wieder beinahe zu Ende, und gerne möchten wir Ihnen/euch erzählen von den Ereignissen der letzten Zeit.
Wie schon berichtet in unserem letzten Rundbrief, hat Mendel Beginn diesen Jahres angefangen, an einem Film aus unserem Sertão-Material zu arbeiten. Im September haben wir dann die erste "Rohversion" einem Publikum vorgestellt. Dies mit dem Zweck, anhand von Reaktionen des Publikums feststellen zu können, wie der Film mit seiner Vielschichtigkeit der Erzähllinien wirkt: Vergangenheit und Gegenwart, Träume und Wirklichkeit, unermessliche Trockenheit und zugleich unglaubliche Wassermengen, die ein ganzes Dorf unter Wasser verschwinden lassen...
Die Reaktionen des Publikums waren sehr warm und begeistert und zeigten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren.
Wer wollte, konnte beim Ausgang seine Telefonnummer hinterlassen, sodass Mendel später ein paar Fragen zum Erleben des Films, seines Aufbaus, Inhalts und Spannungsaufbaus stellen konnte.
Nach zwei weiteren Monaten voller Gedanken und Arbeit war dann im November eine überarbeitete Version fertig, die in einem Theater in Amsterdam gezeigt wurde. Die September-Version hatte 2 Stunden gedauert, jetzt waren es noch 91 Minuten. Diesmal war das Publikum uns ganz unbekannt, und die Reaktionen waren überwältigend positiv.
Nach einer weiteren Fragerunde ist jetzt sehr deutlich, was der Film noch braucht, bevor er "fertig" genannt werden kann, und zugleich ist dies der Zeitpunkt um auf die Suche zu gehen nach einem Produzenten: jemand der den Film weiter begleiten kann in seinen letzten Entwicklungsschritten; der Geldquellen kennt, um diese Schritte auszuführen- und der weiss, wie der Film sein Publikum finden kann. Wir suchen jetzt zwei Produzenten, einen in den Niederlanden und einen in Deutschland. Im Spätsommer 2010 soll der Film fertig sein.
Die deutsche Uraufführung wird natürlich in Ettlingen stattfinden!
Doch bevor es soweit ist, muss noch einiges geschehen...
Freiluftkino im Sertão
In April werden wir wieder nach Brasilien reisen um nochmals vier Wochen im Sertão zu sein. Unsere Planung ist, einen Projektor mitzunehmen und umherzuziehen durch die kleinen Dörfer, wo die Filmaufnahmen entstanden sind, um den Menschen den Film im Freiluftkino zu zeigen. Wir glauben, das wird etwas ganz Besonderes! Auch möchten wir einige neue Aufnahmen für den Film machen, die in der jetzigen Erzähllinie noch fehlen.
Dieses "Freiluftkino" ist zu gleicher Zeit eine Art "Try-out" für unsere zukünftigen Pläne: wir wollen sehen, ob es möglich wäre, ein längeres Projekt im Sertão zu organisieren mit dem Thema "Dürrebeständige Landwirtschaft". Ein grosses Problem im Sertão ist, dass es sehr schwer ist, von dem zu leben was man selbst produziert. Der Sertão steht voller Pflanzen und Bäume, die trotz des Wassermangels wachsen, sich fortpflanzen und Früchte tragen. Leider ist aber oftmals in Vergessenheit geraten, wie man die Kraft der lokalen Pflanzen benutzen kann. Bei unserem letzten Besuch lernten wir eine Organisation kennen, die zusammen mit Kleinbauern untersucht, wie man ohne viel Wasser und mit einfachen Mitteln doch gut Landwirtschaft machen kann- neuartige Bewässerungstechniken und Kreuzungen von z.B. Bohnen und Mais, die nur sehr wenig Wasser benötigen. Ein faszinierendes Projekt, wovon wir glauben, dass es den Menschen dort auch wirklich etwas bringt.
Es ist aber sehr schwierig, Gewohnheiten zu ändern (das kennen wir von uns selbst auch :-). Viele Bauern sind so einem Projekt gegenüber skeptisch, weil sie "neuen Gewohnheiten" misstrauen und weil die Menschen, die diese Möglichkeiten übermitteln, oft von aussen kommen. Wir haben einen Bauern getroffen, der als Einziger seines Dorfes an diesem Projekt teilnahm. Er hat uns gezeigt, wieviel Arbeit es kostet und wieviel Planung man dafür braucht - aber auch, dass er als Einziger im ganzen Dorf richtig von seiner Arbeit leben kann. Und weil er es geschafft hat, muss vielleicht sein Sohn nicht aus dem Sertão weg in die grosse Stadt, weil es zuhause kein Zukunft gibt. In der Stadt würde er nur ein weiterer Slumbewohner ohne Rechte werden-.
Unsere Idee ist, gemeinsam mit Bauern, die an diesem Projekt teilnehmen, eine Serie kurzer Filme zu machen: Darin würden sie erzählen, was sie jetzt anders machen als früher, und weshalb; wie und warum sie dazu gekommen sind, ihre Zweifel und ihr Misstrauen loszulassen und was das ihnen gebracht hat. Diese Filme könnten dann in anderen kleinen Dörfern gezeigt werden - als Freiluftkino - sodass das Publikum die "neuen Gewohnheiten" übermittelt bekommt von Menschen wie sie, die lebten wie sie.
Wir werden unsere Reise auch benutzen um herauszufinden, ob diese Idee tatsächlich funktionieren könnte.
Zum Schluss
Wir wünschen Ihnen / euch allen sehr Frohe Weihnachtstage, und ein reichlich gesegnetes und erfülltes Neues Jahr.
Herzliche Grüsse,
Susanne & Mendel